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Farben zeigen große Wirkung


Über die farbliche Gestaltung "klassischer" Fassaden.
Fassadengestaltung ist in vielerlei Hinsicht ein nicht unwichtiges Thema. Schließlich ist die Fassade quasi die Visitenkarte eines Gebäudes. Sie spiegelt den Zeitgeist der Epoche ihrer Entstehung wider, ihre Farbigkeit lässt auf den Geschmack der Hausbesitzer schließen. Wer bei der Farbgebung den falschen Ton trifft, hat diese "Sünde" zehn oder mehr Jahre vor Augen. So lange nämlich kann ein Fassadenanstrich intakt sein. Im Folgenden soll deutlich gemacht werden, dass Fassaden bei der farblichen Gestaltung nicht beliebig interpretiert werden können, dass es dafür vielmehr recht strenge Verbindlichkeiten gibt, an die sich zu halten unbedingt zu empfehlen ist.
Vier der häufigsten Fehler in der Fassadengestaltung: Eine Fassade wird lieblos "irgendwie" gestrichen, es wird für eine Zweifarbigkeit ein zu harter Kontrast gewählt, eine Fassade wird übertrieben farblich herausgeputzt dekoriert oder die farbliche Gliederung wird falsch angelegt.

Vier der häufigsten Fehler in der Fassadengestaltung


Unüberlegter einfarbiger Anstrich.
Einfarbige Lösungen der Fassadengestaltung er-
fordern großes Bemühen
um den "richtigen" Ton.

Zu harte Zweifarbigkeit mit der Modefarbe Blau. Es ist für die Fassade falsch, ihre Plastizität zugunsten einer geschmacklichen Farbigkeit (Nivea) zu opfern.

Übertriebene Detaillierung
mit Farbe. Hier wird z.B.
die architektonisch proble-
matische Situation des Erkerdachs durch Farbe betont und nicht abge-
schwächt.

Falsche farbliche Glie-
derung einer Fassade.

Zurückhaltung bei Modefarben geboten
Neben dem Blau des auf der vorherigen Seite gezeigten Beispiels als Mode-
farbe aus dem Jahr 2001 wird zurzeit auch Gelb häufig in übertrieben lautstarken Tönen auf Fassaden gebracht.
Gegen stark bunte Farben an Fassaden und Gebäuden ist nichts Grund-
sätzliches einzuwenden. Manche Fassaden sind jedoch aufgrund ihrer Gestaltung, ihrer Nachbarschaft oder ihrer Umgebung nicht für die Anwen-
dung starker Farben geeignet. Je stärker eine Farbe ist, desto stärker
übertönt sie die Sprache der Architektur. Wenn also fein differenzierte Architektur in Farbe gesetzt werden soll, ist es wichtig, diese feine Differen-
zierung durch Farbe wahrnehmbar zu machen und sie nicht mit Farbe zu übertönen. Zurückhaltung ist auch bei der Verwendung von sogenannten Modefarben für Fassaden geboten, da nur-modische Farben nach kürzester Zeit wieder "out" sind und ein Gebäude zu einem ungeliebten Objekt in der Öffentlichkeit machen.

Gelb in übertrieben lautstarken Tönen.
Kompetenz, Engagement und Verantwortung des Malers
Wenn es darum geht, für eine Fassade die richtigen Farben zu finden, sind Kompetenz, Engagement und Verantwortung des Malers gefragt. Kompetenz für fachkundige Entscheidungen, Engagement dafür, dass der Kunde für sein gutes Geld gute Leistung erhält und Verantwortung dafür, was einer Fassade angemessen ist, was der Umgebung gut tut.
Das kann den Maler vom "Anstreicher" und "Bautenschützer" unterscheiden, dass er mehr einbringt, als nur das Abarbeiten von Quadratmetern. Und das ist besonders bei Fassadengestaltung wichtig, weil die eine Angelegenheit im öffentlichen Raum ist, und nicht das Privatvergnügen eines einzelnen Hausbesitzers.

Die "richtigen" Farben für Fassaden wählen
Bei der Renovierung einer Fassade sollten zunächst die Farben in Erwägung gezogen werden, die eine engagiert gemachte Architektur aus einer früheren Epoche ursprünglich hatte. Eine Neu-Interpretation aus heutiger Sicht könnte leicht im Widerspruch dazu stehen.

Erst wenn die ursprüngliche Farbigkeit nicht bekannt ist, oder die Fassade, das Gebäude oder die Umgebung so stark verändert wurden, dass die ursprüngliche Farbigkeit nicht mehr sinnvoll ist, dann sollen neue Farben aus den Merkmalen der "neuen" Architektur und aus Merkmalen der veränderten Umgebung entwickelt werden.

Engagierte Fassaden-
gestaltung.


Behutsam wurde dieses Objekt aus den 20er Jahren des Architekten Bruno Taut in Berlin-Zehrendorf renoviert.

Richtiges Vorgehen bei farblichen Entwürfen
Das wichtigste ist, die Fassade vor Ort zu begutachten, alle Gegebenheiten der Situation sorgfältig zu registrieren, zu werten und daraus Schlüsse für die Farbgebung zu entwickeln. Gegebenheiten sind die unmittelbare Umgebung, das Quartier, die Stadt, die Landschaft, außerdem die architektonischen Merkmale wie Größe, Plastizität, Proportionen, Gliederungen der Baukörper sowie deren Materialien und Materialfarben. Die zu wählende Farbe muss auf möglichst viele Gegebenheiten die richtige Antwort sein.
Vielfältige Farbigkeit eines Ensembles  
- vor Ort entworfen.  




Hell oder dunkel
Auch einfarbig gefasste, durch ihre Baustruktur gegliederte Fassaden erscheinen mehrfarbig.
Plastisch durchgeformte Fassaden sollen eher hell als dunkel gefasst werden, weil helle Farben die Plastizität steigern, dunkle diese eher schwächen. Zudem ist zu beachten, dass in hellen Fassaden die dunkel erscheinenden Fenster Tiefe zeigen, diese
aber in dunklen Fassaden "untergehen".


Ein- oder Mehrfarbigkeit von Fassaden
Mehrfarbigkeit ist möglich, wenn die Architektur klar gegliedert ist durch das Gliederungssystem und die Fassadenflächen.

Einfarbigkeit ist richtig, wenn die Fassade als ein einheitliches,
wie aus einem Material herausgearbeitetes Relief zu verstehen
ist.

  Hauptfarben für Fassaden
Aus der Herbol-Kollektion Farbe und Architektur
sind besonders geeignet:

 Weiß G0.03.86  Terracotta C9.28.51
 Hellgrau F7.05.74 Grün vergraut J0.10.60
 Gelb F1.19.81 Blau vergraut S0.10.60
 Apricot E6.16.78
 
Auch nah verwandte Farben zu den oben genannten sind geeignet.



Das Gliederungssystem von "klassischen" Fassaden
Gesimse, Lisenen (Pilaster) bilden zusammen mit Fenster- und Türgewänden das Gliederungssystem von "klassischen" Fassaden. Zumindest Gesimse
und Lisenen sind farblich gleich zu halten.

Sockel sollen farblich untergeordnet sein, weniger prägnant als die Fassade, meist auch dunkler.

Fenster und Türen
Weiße Fensterrahmen und -flügel stehen in Kontrast zur Dunkelheit des Fensterglases. Dunkle, gering bunte hingegen heben sich nur wenig ab und werden in die Tönung des Glases eingebunden.

 
Helle Türen laden ein, dunkle verschließen den Eingang des Hauses.
Als helle Türfarben eignen sich besonders: gebrochenes Weiß, Hellgrau, blasses nicht zu helles Gelb - als dunkle: Dunkelgrün, Blaugrau und Anthrazit.

Elemente des Daches
Liegen bei Dächern mit sichtbarer Eindeckung (z.B. Satteldächer) die Sparrenenden und die Dachverschalung offen, sollen diese nicht weiß, sondern in gedeckter oder dunkler Tönung gehalten werden, damit sie Teil des Daches bleiben. Geschlossene Verschalungen der Traufe können als eigenständiges Element zwischen Fassade und Dach weiß abgesetzt werden.

Dachgauben sollen eher der Dachfarbe angeglichen sein, als dass sie andersfarbig sind.
Geschlossene Verschalungen der Traufe können als eigenständiges Element zwischen Fassade und Dach weiß abgesetzt werden. Dachgauben sollen eher der Dachfarbe angeglichen sein, als dass sie andersfarbig sind.



Quelle: Herbol Infoplus 09/2002

Der Autor:
Friedrich Schmuck, Jahrgang 1938, ist seit 1995 Honorarprofessor an der Universität Essen, Gesamthochschule, Fachbereich Gestaltung-Kunsterziehung. Nach seinem Malerei-Studium an den Kunstakademien in Düsseldorf und München war Schmuck zunächst als freiberuflicher Farbdesigner, Dozent, Autor, Fotograf und Maler tätig. Von 1973 bis 1995 lehrte er an den Hochschulen in Münster, Karlsruhe und Essen.


Friedrich Schmuck hat sich vor allem durch seine zahlreichen gestalterischen Farbentwürfe bei Architekturprojekten für Industrieunternehmen, Institutionen und Kommunen einen Namen gemacht.